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Geständnisse


Ich bin neugierig, weißte.

Dachte nie, daß ich das mal zugeben würd'. Meinem Sohn bin ich manchmal nur noch peinlich, denk ich. Meine Frau -- Ex-Frau -- ist tot, und meine Lieblingspathologin würd wohl noch eher mit dem Achim ins Bett gehen als mit mir. Dann ist da noch Mutti, die das Rättamatäng schmeißt wie keine, aber mein Leben auf den Kopf stellt. Und mal ehrlich, ich denk' in letzter Zeit immer häufiger an die paar Monate zurück, die er bei mir in der Wohnung gelebt hat. Da hatten wir doch auch 'ne Familie. Der Klaus, der Florian und ich. Jetzt geh' ich bald auf die Vierzig zu und seh' in meiner Zukunft nichts, was irgendwie nach 'nem richtigen Zuhause aussieht. Du weißt schon, Ehefrau und eigenes Häuschen in 'nem Vorort von Kölle. Grillen am Sonntag und sonst jemand, der hofft, daß ich am Wochenende keinen Dienst schieben muß. Noch'n Bruder oder Schwesterchen für den Florian. Der ist mir eh schon zu altklug, der Bengel. Kann besser kochen als ich. Und hängt rum mit seinen Kumpels, die ich nich' mal kenne. Der glaubt, ich weiß nich', wie spät der immer nach Hause kommt -- wenn die Schule eigentlich schon längst aus ist. Aber Mutti macht sich auch so ihre Gedanken und liegt mir dann in der Kneipe damit in den Ohren.

Nee, 'ne richtige Familie werden wir nie werden. Aber weißte, am Abend fehlt mir oft jemand, mit dem ich quatschen kann. Wie du halt heut abend, aber noch mehr eben. Übrigens, danke Mädle, daste da bist. Komm, gell, trinkste noch'n Kölsch mit. Wo war ich? Ach ja, ich wollt' sagen, dem ich erzählen kann, was mir so an die Nieren geht. Der zuhören kann. Mutti kann das nich', und der Florian ist da zu jung für. Wenn ich dem was von der Arbeit erzähl, sagt er höchstens: "Bow, geil!" und will alle blutigen Einzelheiten wissen. Und hat danach Albträume. Aber die können auch von seinen Baller-Computerspielen kommen. Dumm ist nur, der Klaus, der kann auch nicht gut zuhören. Obwohl, das kommt ganz darauf an...

Ich glaub, das letzte Kölsch war ein Glas zuviel, mir ist ein bißchen schwummrig...

...in den Tagen, nachdem die Ellen gestorben ist, hat der ganz viel zugehört. Er war die ganze Zeit für mich da. Und hat später nie wieder was drüber gesagt, wie ich da ausgerastet bin. Hab' geheult wie ein kleines Kind, und mir Vorwürfe gemacht. Ein paar Möbel in der Küche kaputtgehauen. Wenn ich das Computerspiel gekauft hätte damals, wie ich's versprochen hatte...

Ja, ich kann weitersprechen, mir geht's gut. Ehrlich. Ach ja, der Klaus. Wenn wir unsre Arbeit machen, hat's der nich' viel mit Zuhören. Da will Herr BKA immer recht haben, und sagt, daß mein Aus-dem-Bauch-heraus Ermitteln große Scheiße ist. Also, so würd's er nie sagen, aber das meint er. Obwohl ich öfter recht hab' als er. Das gibt er dann auch zu, aber er sieht aus dabei, als müßt' er in eine Zitrone beißen. Und seine komischen Angewohnheiten -- dieses Yoga-Dings zum Beispiel. Seine Anzüge. Das Zeug, was der ißt. Aber ich hab' noch nie in meinem Leben soviel Angst gehabt wie damals, da war er erst ein paar Monate bei uns, als er entführt worden ist. Und wir seine Haare in dem Paket gekriegt haben. Ich dachte, den sehn wir nie lebend wieder. Aber ich hab' ihn zurückbekommen nach der Schießerei in der Kiesgrube. Und er hat mich mal aus dem Main gefischt. Ach, sagen wir einfach mal, wir sind quitt -- er hat mich oft aus der Scheiße geholt, und ich ihn. Am Anfang wollt' ich ihn ja nur schnell wieder loshaben, aber jetzt... ich könnt' mit keinem anderen mehr arbeiten. Daß er schwul ist, stört mich nicht.

Tut mir leid, Mädle. Ich wollt' nicht... komm, bleib' sitzen! Ich hab's nicht so gemeint! Ok, es stört mich. Nicht mehr so wie am Anfang, wo ich ziemlich gemein zu ihm war. Ellen hat mir da den Kopf wieder geradegerückt. Mutti hat keine Probleme damit. Eigentlich hab' ich auch keine, aber... stell' dir vor, er hat ein paar Tage lang absichtlich meinen Arsch angeschaut! Die ganze Zeit! Und ständig blöde Bemerkungen drüber gemacht! Bei so was ist mir halt unwohl. Deshalb war ich auch so erleichtert, als dieser Architekten-Heini abgeflogen ist, auf Nimmerwiedersehen, und der Klaus dageblieben ist. Der war ein Verdächtiger in einem Mordfall, und der Klaus, der hat einfach mit ihm... Ähmm.

Stimmt, ich bin auch ein paar Mal mit 'ner Frau aus einem unserer Fälle ins Bett gegangen! Was hat das damit zu tun?! Das hat mich danach nicht dran gehindert, die im Zweifelsfall einzubuchten. Wenn der Klaus was anderes erzählt, ist das Quatsch. Ich kann Arbeit und Privates trennen!

Worauf ich neugierig bin?

...

Gib mir noch ein Kölsch rüber; ich glaub', das brauch' ich vorher.

Ja. Ich wollt' eigentlich nur sagen... der Klaus, der ist mir wichtig. Mehr als ich jemals für möglich gehalten hätt'. Ich mag ihn, auch wenn wir uns anschreien, oder schlimmer noch, anschweigen. Oder total verschiedenen Meinungen haben. Und es ist nicht nur das Dienstliche. Ich hab' ihn wirklich gerne, und der Flo auch. Ich hätt' gern, daß er wieder bei mir einzieht. Das Frühstück macht. Florian in die Schule schickt mit einem Pausenbrot. Kocht. Und nee, nicht nur deswegen, weil ich bei der Hausarbeit zwei linke Hände hab', wie Mutti sagt.

Und weil... und weil... ich...

Ich mich seit dem Architekten frag', wie es wäre, ihn zu küssen. Und mehr -- den ganzen Rest. Ihn anzufassen. Mit ihm ins Bett zu gehen.

Und wehe, du erzählst das irgendwem weiter, Mädle. Wenn du nicht lesbisch wärst, hätt' ich dir das alles nie erzählt. Geh' heim zu deiner Freundin und vertragt euch wieder. Ihr habt beide kein Problem damit, was der Rest der Welt zu euch sagt. Das ist ein Geschenk, das kannste nicht einfach wegschmeißen, nur weil sie mal fremdgegangen ist. Du sagst, daß sie geweint hat als du gegangen bist, und dich angebettelt hat zu bleiben. Daß sie dich liebt. Also, krieg' dich wieder ein und geh' heim, Kleines. Nein, komm', hör' auf zu weinen. Da, putz' deine Nase. So ist's gut. Wo wohnt ihr zwei noch mal?

Ich ruf' dir ein Taxi. Tschö, bis denn. Nee, ich kann nicht versprechen, daß ich dem Klaus je was sage. Aber ich lad' ihn morgen ein auf ein Bier, und auf das neue Spiel vom FC, das da im Fernsehen kommt. Dann machen wir uns zu Hause 'nen schönen Abend.

Nein, nicht so 'nen Abend! Laß das, sonst werd' ich noch ganz rot! Weißt du, ihr Jungen nehmt das alles so locker, so normal. Neben dir fühl' ich mich ganz alt.

'Nacht, Mädle. Hab' ich gern getan.


"SK Kölsch" Kurzgeschichte von allaire mikháil, 1.111 Worte, Jupp Schatz/Klaus Taube UST, Jupp POV, bewertet PG
Warnung: Enthält Spoiler für die 1. und 2. Staffel.

Warum es zu dieser Serie keinen Slash gibt, werde ich nie verstehen. Ich möchte Jupp so schön quälen und seine eisern geleugneten Gefühle gegen seine latente Homophobie ins Felde schicken. Heh.


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